Eine erfolgreiche Energiewende braucht flexible, leistungsstarke und wirtschaftliche Lösungen. Während Wind- und Solarenergie nach wie vor den Strommarkt prägen, gewinnen speicher- und regelbare regenerative Energieträger zunehmend mehr an Bedeutung. Und genau in diesem Zusammenhang kommt die Biogasanlage ins Spiel – als steuerbarer Baustein für Netzstabilität, Versorgungssicherheit und regionale Wertschöpfung.
Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie ist die Referenzanlage „Biogasanlage Ottersberg“. Sie zeigt eindrucksvoll, wie sich eine Blockheizkraftwerk-Anlage (BHKW-Anlage) auf Biogasbasis technologisch und wirtschaftlich zu einer hochflexiblen Energiezentrale der Zukunft weiterentwickeln lässt.
Hintergrund: Pioniergeist trifft auf Großmotorentechnologie
Die Biogasanlage Ottersberg in Niedersachsen zählt zu den fortschrittlichsten Anlagen in Deutschland. Bereits 2005 setzten die Betreiber auf eine außergewöhnliche Dimensionierung: Statt der zu diesem Zeitpunkt üblichen BHKW-Leistungen von 300 kW installierten sie fünf leistungsstarke Gasmotoren mit einer Gesamtleistung von 5,2 MW.
So konnten sie schon damals jährlich rund 28.000 MWh Strom ins öffentliche Netz einspeisen und 25.000 MWh Wärme für interne Prozesse erzeugen. Damit bewies die Anlage früh, welches Potenzial in einer professionell geplanten Biogasanlage steckt – und das sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Mit den steigenden Anforderungen an Flexibilität, Netzstabilität und Effizienz war jedoch schnell klar: Der nächste Schritt muss folgen.
Flexibilisierung als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit
2018 wurde die Biogasanlage in Niedersachsen umfassend flexibilisiert. Durch eine 3,5-fache Überbauung und die Erweiterung um zwei Großmotoren stieg die installierte elektrische Leistung auf insgesamt 11,4 MW – bei einer thermischen Leistung von 7,8 MW.
Diese Erweiterung verfolgte mehrere Ziele:
- eine deutliche Steigerung der Flexibilität
- die Erhöhung des elektrischen Wirkungsgrades um mehr als 7 Prozentpunkte
- eine strommarktorientierte Fahrweise
- die Verbesserung der Erlössituation
Durch diese technischen Modernisierungen konnten die Anlagenbetreiber die jährliche Netzeinspeisung auf rund 31.000 MWh steigern – was erneut rund 3.000 MWh mehr sind als zuvor. Damit betreiben sie ihr Biogas-Blockheizkraftwerk nicht mehr als „Dauerläufer“, sondern als moderne BHKW-Anlage, die flexibel auf Marktpreise und Netzanforderungen reagieren kann – was das BHKW heute zu einem strategischen Instrument der Energiewende macht.
Biogas als speicherbarer Energieträger
Biogas hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber fluktuierenden Energiequellen: Es ist speicherbar. Vorausschauend haben die Betreiber der Referenzanlage in Ottersberg im Zuge der Flexibilisierung deswegen einen Gasspeicher mit 33.000 m³ Volumen installiert. Damit lässt sich das erzeugte Biogas bedarfsgerecht nutzen – und das insbesondere bei Dunkelflauten oder hoher Stromnachfrage.
Ergänzend verfügt die moderne Biogasanlage über eine 43.000 m³ große Fermenteranlage, Lager- und Trocknungshallen für landwirtschaftliche Reststoffe und eine Gasaufbereitungsanlage zur Biomethanproduktion. Pro Stunde lassen sich hier bis zu 1.200 m³ Biogas zu Biomethan aufbereiten und ins Erdgasnetz einspeisen. Damit zeigt die Biogasanlage aus Niedersachsen eindrucksvoll, wie der Einsatz regenerativer Energieträger auch sektorenübergreifend in Form von Strom, Wärme und Gas einsetzbar ist.
Effizienzsteigerung mit messbarem Mehrwert
Neben einer deutlichen Leistungssteigerung konnte die Flexibilisierung der Anlage auch handfeste wirtschaftliche und ökologische Vorteile umsetzen:
- Reduktion des Rohstoffbedarfs um 15.000 Tonnen Maissilage
- Verringerung der Anbaufläche um rund 370 Hektar
- deutlich reduzierte Transportfahrten
- Senkung der Betriebskosten
Mit einem Gesamtwirkungsgrad von rund 88 % zählt die BHKW-Anlage aus Ottersberg in Niedersachsen zu den hocheffizienten Anlagen ihrer Klasse. Besonders relevant ist dabei: Die Nutzung der im Kühlwasser und im Abgas enthaltenen Wärme funktioniert vollständig automatisiert und ist direkt in die Prozessleittechnik integriert. So lässt sich jede Kilowattstunde optimal verwerten. Das Ergebnis ist eine hochmoderne Biogasanlage, die nicht nur Strom produziert, sondern auch als integrierte Energieplattform funktioniert.
Netzstabilität durch flexible Großmotoren
Ein weiterer großer Pluspunkt der Biogasanlage in Ottersberg sind die installierten Großmotoren, die schnellstartfähig sind und so eine bedarfsgerechte Stromproduktion ermöglichen. Das bedeutet, wenn Sonne und Wind wenig Energie liefern, kann die Anlage innerhalb kurzer Zeit hochfahren und Strom bereitstellen.
Diese Fähigkeit macht Biogas zu einem unverzichtbaren Baustein im zukünftigen Energiesystem. Während andere regenerative Energieträger wetterabhängig produzieren, übernimmt die BHKW-Anlage die Rolle des flexiblen Lückenschließers. Dieser Systemnutzen kann für Anlagenbetreiber zukünftig einen weiteren großen Vorteil haben, da die finanzielle Förderung insbesondere im Rahmen flexibler EEG-Modelle und strommarktorientierter Fahrweisen weiter steigt.
Auf einen Blick: technische Eckdaten der Referenzanlage und Kundenvorteile
Welches Potenzial in einer professionell geplanten und modernisierten Biogas-
Blockheizkraftwerk steckt, zeigen insbesondere auch die wichtigsten Leistungsdaten der Referenzanlage in Ottersberg:
- installierte Motoren: 5x J320 und 2x J620
- elektrische Leistung: 5,3 MW + 6,1 MW
- thermische Leistung: 1,8 MW + 6 MW
- Gesamtwirkungsgrad: ca. 88 %
- Energieträger: Biogas
- Inbetriebnahme: 2005, Erweiterung 2018
Gleichzeitig verdeutlicht die Biogasanlage sehr eindrücklich, welche Mehrwerte ein flexibles Blockheizkraftwerk ihren Betreibern bieten kann:
- höhere Flexibilität
- Erlössteigerung durch strommarktorientierten Betrieb
- Nutzung von Flexibilitätsförderungen
- Effizienzsteigerung durch moderne Motorentechnologie
- Einsparung von Einsatzstoffen
- hohe Zuverlässigkeit
- langjährige Betriebserfahrung
- verbesserte Betriebsabläufe
Damit steht fest: Eine moderne Biogasanlage ist weit mehr als nur ein Stromerzeuger. Sie ist ein aktiver Bestandteil eines resilienten, nachhaltigen Energiesystems.
Fazit: Das Biogas-Blockheizkraftwerk als Speicherkraftwerk der Zukunft
Die Referenzanlage Ottersberg zeigt, dass Flexibilisierung nicht nur eine technische Option, sondern ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor ist. Gerade vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Netzstabilität und Marktintegration werden leistungsstarke Biogas-Blockheizkraftwerke damit zunehmend systemrelevanter. Wer heute investiert, profitiert von höherer Wirtschaftlichkeit, Zukunftssicherheit sowie flexiblen Vermarktungsmodellen und das bei gleichzeitig nachhaltiger Ressourcennutzung.
Die Biogasanlage Ottersberg ist somit ein Best-Practice-Beispiel für die erfolgreiche Transformation vom klassischen „Dauerläufer“ zu einer hochflexiblen, marktorientierten Biogas-Blockheizkraftwerk mit maximaler Effizienz. Sie zeigt, wie sich regenerative Energieträger intelligent kombinieren, speichern und bedarfsgerecht einsetzen lassen – für mehr Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.
Im Video „Stadt, Land, Flexibilisierung – Ottersberg“ erhalten Sie spannende Einblicke in die technische Umsetzung, die Betriebsweise und die strategischen Hintergründe der Anlage.
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FAQs zur Referenzanlage Ottersberg
- Was macht die Biogasanlage Ottersberg besonders?
Die Anlage zählt zu den fortschrittlichsten Biogasanlagen in Deutschland und wurde bereits 2005 mit einer für damalige Verhältnisse außergewöhnlich hohen Leistung von 5,2 MW installiert. Durch die spätere Flexibilisierung wurde die elektrische Gesamtleistung auf 11,4 MW erhöht.
- Wie wurde die Anlage flexibilisiert?
2018 erfolgte eine 3,5-fache Überbauung durch zwei zusätzliche Großmotoren. Ergänzt wurde die Anlage durch einen 33.000 m³ großen Gasspeicher, was einen bedarfsgerechten und strommarktorientierten Betrieb sowie eine flexible Einspeisung ins Netz ermöglicht und aktiv zur Netzstabilität beiträgt.
- Welche Leistungsdaten erreicht die BHKW-Anlage?
Die Anlage verfügt über insgesamt sieben Motoren (5x J320 und 2x J620) mit einer elektrischen Gesamtleistung von 11,4 MW und einer thermischen Leistung von 7,8 MW. Der Gesamtwirkungsgrad liegt bei rund 88 %, was die BHKW-Anlage zu einer hocheffizienten Energiezentrale macht.
- Welche ökologischen Vorteile ergeben sich?
Durch die Effizienzsteigerung konnte der Rohstoffbedarf um 15.000 Tonnen Maissilage reduziert werden. Das bedeutet weniger Anbaufläche (rund 370 Hektar) und geringere Transportfahrten – ein deutlicher Nachhaltigkeitsgewinn im Einsatz von regenerativen Energieträgern.
- Welche wirtschaftlichen Vorteile bietet die Anlage?
Die Flexibilisierung ermöglicht eine erlösoptimierte Stromproduktion mit einer gesteigerten Netzeinspeisung von rund 31.000 MWh pro Jahr. Gleichzeitig senken höhere Wirkungsgrade die Betriebskosten und verbessern die langfristige Wirtschaftlichkeit der Anlage.


